Prof. Dr. Friederiki Batsalia: Plan Athena und der Fachbereich für Deutsche Sprache und Literatur

Δημοσιεύτηκε:

9:26 πμ Φεβρουάριος 13th, 2013

athina

Universität  Athen
Philosophische Fakultät
Fachbereich für Deutsche
Sprache und Literatur

 

Prof. Dr. Friederiki Batsalia
Leiterin des Fachbereichs

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

Das Ministerium für Unterricht, Religion, Kultur und Sport hat im Rahmen des Plans Athena kurzfristig beschlossen, die fünf philologischen Abteilungen für Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch und Spanisch an der Universität Athen zu einem einzigen, zentralen ‘Institut für Fremdsprachen und Philologie’ (sic!) zusammenzufassen. Als Ziel für diesen Schritt werden eine (i) erhoffte Verbesserung der akademischen Rahmenbedingungen, (ii) die Optimierung der universitären Ausbildung, sowie (iii) finanziell messbare Synergieeffekte angeführt.

Im Gegensatz zu der vom Ministerium vertretenen Meinung sind wir nachdrücklich der Ansicht, dass eine unkoordinierte Auflösung der historisch gewachsenen, etablierten, und effizient miteinander interagierenden Institutsstrukturen zu katastrophalen Konsequenzen für die Qualität sowohl der Lehre als auch der Forschung führen wird. Die Zusammenlegung von fünf teils völlig unterschiedlich orientierten Fachbereichen mit insgesamt 89 Lehrenden würde eine schwerfällige und kaum lenkbare Institution entstehen lassen. Dies trägt nicht zur Schaffung von Effizienz bei und widerspricht auch dem international beobachtbaren Trend an führenden Universitäten, Qualität nicht länger mit Quantität zu verwechseln. So wurden z.B. ähnliche Versuche einer gemeinsamen Ausbildung der Studenten aus den Fachbereichen Deutsch, Englisch und Französisch an der Universität Stuttgart nach kurzer Zeit wieder aufgegeben.

Zudem ergeben sich aus der geplanten Zusammenlegung unserer Meinung nach unüberwindbare strukturelle und substantielle Probleme. Wie international üblich, bedienen sich die fünf oben genannten philologischen Abteilungen der Sprache des jeweiligen Landes, um dergestalt die bestmögliche Sprachausbildung der Absolventinnen und Absolventen zu gewährleisten. So ist auch am Fachbereich für Deutsche Sprache und Literatur die Verwendung von Deutsch als Unterrichtssprache ein integraler Bestandteil des Studienplans. Es ist jedoch zu beachten, dass die Philologien Sprache und Sprachkenntnis nur als ein Werkzeug benutzen, mit dessen Hilfe Fragen zur Literatur, Sprache, Kunst, Philosophie, Geschichte, Politik und anderen Aspekten der Kultur eines Landes gestellt werden können. Zusätzlich zu diesem, wenn auch wichtigen, Werkzeug der Sprache bedarf es aber auch eines Gegenstandes, auf den sich die Fragen beziehen, sowie einer Methode. Genau dieses Wissen wird, zusammen mit dem notwendigen Fachwissen, in den fortgeschrittenen Kursen und Seminaren vermittelt.

Die Sprachausbildung stellt somit die Grundlage und die Ausgangsbasis für das weitere Studium dar. Mit anderen Worten:Philologische Institute sind keine Sprachschulen – genauso wenig wie etwa an juridischen Fakultäten das Auswendiglernen von Gesetzestexten gelehrt wird, oder auf einem Mathematikinstitut das Schreiben und Lesen von Zahlen. Vielmehr sollen Absolventen durch eine fundierte Ausbildung über die Sprache hinaus in die Lage versetzt werden, zuvor fremde, neue Konstellationen zu erkennen, interessante Probleme zu identifizieren, mit Hilfe dieser Erkenntnisse Fragen zu artikulieren, und auf diese Fragen mögliche Antworten zu finden. Gerade zu einem Zeitpunkt, da die Beziehungen Griechenlands zu Teilen Westeuropas durch zentrifugale Kräfte an Qualität zu verlieren drohen, stellen diese Fertigkeiten einen wesentlichen Beitrag dar, um auch in Zukunft einen reghaften, innereuopäischen Austausch auf den Gebieten der Kultur, Wissenschaft und Politik sicherzustellen. Keine erfolgreiche, international orientierte Gesellschaft, der das Wohl der künftigen Generationen am Herz liegt, kann auf Institutionen verzichten, die diesem Zwecke dienen.

Um eine umfassende Ausbildung zu ermöglichen, ist es nun jedoch im Sinne Humboldts unabdingbar, Studentinnen und Studenten die Möglichkeit zu geben, in intensivem Kontakt mit den Lehrenden und Forschenden ihre analytischen und intellektuellen Fähigkeiten jenseits der Sprachkompetenz zu entwickeln. Die lehrenden Institutsmitglieder profitieren ihrerseits in großem Ausmaß von dieser Konstellation, da effektive Kommunikation mit Studentinnen und Studenten die Qualität der Forschung sicherzustellen hilft. Die Aufrechterhaltung des Fachbereichs für Deutsche Sprache und Literatur als unabhängige Einheit ist daher von größter gesellschaftlicher Relevanz. (Dies gilt natürlich auch für die anderen, oben genannten Institute.)

Des Weiteren ist es keineswegs offensichtlich, wie es möglich sein soll, in einem Superinstitut, wie dies das Ministerium plant, ein gemeinsames Lehrprogramm zu erstellen, das mit den Bedürfnissen von fünf teils völlig unterschiedlich orientierten Philologien kompatibel ist. Wir können über mögliche Optionen nur spekulieren. Um zu Synergieeffekten zu gelangen, müssten gemeinsame Seminare und weiterführende Kurse abgehalten werden. Doch wie soll es möglich sein, in solchen gemeinsamen Massenveranstaltungen mit weit über 550 Studenten die Literatur, Philosophie oder Geschichte der fünf unterschiedlichen Kulturbereiche in angemessenem Verhältnis zu vermitteln, ohne die Thematik vollständig zu trivialisieren? Da die Studierenden aus fünf unterschiedlichen Philologien kommen, müssten diese gemeinsamen Kurse zudem auf Griechisch angeboten werden. Dies hätte negative Effekte auf das zu erwartende Sprachniveau der Absolventinnen und Absolventen, was in Folge zu einer Minderung der Chancen für griechische Studentinnen und Studenten bei der Bewerbung an ausländischen Institutionen, etwa bei MA-Programmen in Deutschland und Österreich, und dann auch längerfristig am Arbeitsmarkt führen würde. Dies kann kaum im Sinne des Ministeriums sein.

Bekanntlich arbeiten viele Absolventen des Fachbereichs für Deutsche Sprache und Literatur als Deutschlehrer, entweder an Schulen oder an Nachhilfeinstituten. Auch in der Ausbildung der Lehrer wird sich eine Zusammenlegung zweifellos nachteilig auswirken. Auf der einen Seite muss in einem Superinstitut auf die Bedürfniss dreier unterschiedlicher Lehrergruppen eingegangen werden (Deutsch, Englisch, Französisch). Auf der anderen Seite ist zu befürchten, dass weniger Zeit pro Student zur Verfügung stehen wird.

Daraus ergibt sich letztlich, dass eine Abschaffung der etablierten, gut funktionierenenden und hervorragend miteinander interagierenden Institutsstrukturen zu keinen nennenswerten finanziellen Einsparungen führen kann, einfach da sich keine Synergieeffekte ergeben – zumindest nicht ohne radikale Qualitätsminderung. Soll die Lehre auf dem bisher angebotenen Niveau erhalten bleiben, muss der Unterricht in der jeweils der einzelnen Philologie zugehörenden Sprache abgehalten werden. Da diese Kurse nur von Fachkräften mit entsprechender Lehrbefugnis angeboten werden können (und dürfen), ist nicht ersichtlich, wie sich bei den akademischen Institutsmitgliedern einsparen lassen könnte. Weiters ist zumindest die Abteilung für Deutsche Sprache und Literatur im administrativen Bereich personell chronisch unterbelegt. Auch hier sind also keine Synergieeffekte zu erwarten. Schließlich kann auch bei den Räumlichkeiten nicht eingespart werden, wie man sich gerne bei einem Besuch überzeugen kann.

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die Auslöschung der natürlich gewachsenen Institutsstrukturen zumindest folgende negative Auswirkungen befürchten lässt:

1. Trivialisierung der Ausbildung durch Konzentration auf direkt, kurzfristig verwertbare Fertigkeiten. Das Studium der Philologien dieser fünf Richtungen an der Universität Athen verkommt zu einem reinen Sprachlehrgang.
2. Gleichzeitige Qualitätsminderung in der Sprach- und Lehrerausbildung.
3. Verminderte Konkurrenzfähigkeit der Absolventen in der weiteren, internationalen Ausbildung (MA).
4. Keine ersichtlichen Synergieeffekte.
5. Verschlechterte Rahmenbedingungen für den Kulturaustausch zwischen Griechenland und Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Wir würden Sie daher bitten, alle Ihnen zur Verfügung stehenden Maßnahmen zu ergreifen, um uns in unserem Anliegen zu unterstützen, den Fachbereich für Deutsche Sprache und Literatur als unabhängiges Institut zu erhalten.

deutsch.gr

          

     

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